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Im religiösen Kult und bei Festen weltlicher Art spielte der Tanz eine große Rolle. Es gab strengere und lebhaftere sowie ekstatisch-akrobatische Tanzformen. Die Tänzer(innen) waren BerufstänzerInnen, den Tanz als Element einer Paarbeziehung gab es nicht, man ließ gewissermaßen tanzen.
Nilkreuzfahrt
Sport und Spiel wurden dagegen allgemein betrieben. Neben der kultischen Ausübung existierten auch der sportliche Wettkampf sowie die Körperbewegung aus reinem Vergnügen. Es gab Lauf, Sprung, Ringen, Stockfechten, Boxen, Rudern, Schwimmen, das sogenannte Fischerstechen, Bogenschießen, Wagenrennen, Ballspiele und schließlich die Jagd und das Fischen.
Pantomimische Bewegungsspiele nach Texten und Liedern bilden gewissermaßen eine Brücke zu den Mysterienspielen, die an bestimmten religiösen Festtagen aufgeführt wurden, wenn es sich dabei auch wohl eher um Textrezitationen und rituelle Gesten als um wirkliches Theaterspiel unter Einbeziehung von Körperbewegung und Körpersprache handelte.
Da körperliche Bewegung auch außerhalb des Arbeitslebens bei den Ägyptern offenbar eine beachtliche Rolle spielte, gilt es zu prüfen, ob sie bestimmte typische Haltungs- und Bewegungsmuster besaßen und ob diese mit den in der Kunst abgebildeten übereinstimmen. :
Die Ägypter benutzten auf dem Nil und seinen Seitenkanälen sowie auf dem Meer kombinierte Segel- und Ruderschiffe. Da das Rudern in erster Linie von der Notwendigkeit bestimmt war, Schiffe als Verkehrs- und Transportmittel einzusetzen, und erst in zweiter Linie sportliche Motivation eine Rolle spielte, war die Entwicklung der Rudertechnik vor allem auf einen ökonomischen und physisch lange durchhaltbaren Bewegungsablauf ausgerichtet.
Dieser Ablauf gewährleistet durch den Einsatz des ganzen Körpers und das Ausnutzen des Eigengewichts, also der Schwerkraft, eine langsame und runde Bewegung mit möglichst geringem Kraftaufwand und ohne einseitige Belastung von Rücken und Schultergürtel. Sehr im Kontrast dazu steht die rein sitzende Art zu rudern, wie sie bei den Galeeren etwa der Römer und der späteren abendländischen Geschichte üblich war.
Noch heute kann man in Ägypten manchmal bestimmte Bewegungsmuster und Haltungen beobachten, wie wir sie bei den alten Ägyptern als typisch abgebildet finden; vor allem bei den Fellachen und den Nubiern. Charakteristisch für diese Art sich zu bewegen ist, daß der Körper nicht gestaucht wird, sondern sich ausdehnt. Ich habe dies z.B. bei Ruderern auf dem Qamrun-See am Rande der Oase Fayum beobachtet. Und bei Siko, unserem Felukenkapitän in Assuan, konnte ich beobachten, wie er sich von der Hüfte her mit geradem Rücken über die Reling ins Wasser beugte. Bemerkenswert ist auch die ausbalancierte Art, wie Frauen, z.T. freihändig, den Wasserkrug auf dem Kopf tragen. Dies ist nur möglich, wenn die Körpersegmente vertikal und ohne Bewegungsblockierung fein schwingend um die innere Körperachse angeordnet sind.
Indirekte Hinweise auf den Bewußtheitsgrad einer Kultur in Bezug auf Körperstruktur und Haltungs- bzw. Bewegungsmuster liefert uns das gebräuchliche Sitzmobiliar. Die einfachen Ägypter saßen vor allem auf dem Boden oder auf niedrigen Hockern, die vornehmeren vor allem auf Stühlen. Die auf Rund- und Flachbildern abgebildeten Sitzgelegenheiten sind bei aller Ästhetik eher funktional gestaltet und ermöglichen eine aufrecht bequeme Sitzhaltung.

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß im alten Ägypten vielfach vorbildliche Bewegungsmuster, die eine integrierte Körperstruktur beinhalten, intuitiv gespürt und gelebt wurden. (Heinrich von Kleist).
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